Redebeitrag der Initiative “H48 bleibt!”

Wir dokumentieren hier einen weiteren Redebeitrag, der auf der Demonstration am 30.04.2022 in Halle gehalten wurde (siehe hier und hier). Die Initiative H48 bleibt setzt sich für den Erhalt der Hermannstraße 48 in Berlin-Neukölln ein.

Hallo und solidarische Grüße nach Halle

sendet die Hausgemeinschaft H48bleibt aus Berlin. Wir können heute nicht bei Euch sein, doch wir unterstützen Eure Forderungen und Euren Kampf um Euer Zuhause. Wir senden Euch diese Worte aus Solidarität und weil wir mit unserem Zuhause ähnliches erlebt haben wie ihr. Auch unser Gebäude wurde an eine Investor*in verkauft und auch wir haben uns dagegen gewehrt, weil unser Zuhause uns am Herzen liegt. Ein Großteil der 144 Mieter*innen der Hermannstraße 48 in Berlin Neukölln hat sich seit 2018 in einem Hausverein organisiert und eine GmbH gegründet, um das Haus gemeinschaftlich zu kaufen und gemeinwohlorientiert und langfristig selbstzuverwalten.

Einige Kämpfe auf dem Weg dort hin haben wir gewonnen, weil wir hartnäckig waren und als Hausgemeinschaft zusammenstanden. Einige haben wir aber auch verloren und aktuell ist unsere Zukunft sehr ungewiss. Das Haus wurde formal im Dezember 2020 an eine Investor*in verkauft und wird in den kommenden Wochen an die Sahr Immobilien GmbH gehen, da das Bundesverwaltungsgericht im November letzten Jahres das Vorkaufsrecht gekippt hat.

Auch wenn der Wohnungsmarkt von Halle sich sicherlich in einigen Punkten von der Situation in Berlin unterscheidet, so ist ihm gemein, dass es ein Markt ist. Also ein wirtschaftlicher Rahmen, in dem s.g. Waren wie in dem Fall Häuser und Wohnungen profitorientiert vermietet und verkauft werden. In einigen Fällen, werden Wohnungen, Gewerbeeinheiten oder ganze Häuser sogar leerstehen gelassen. Spätestens dieser Extremfall macht deutlich, dass da etwas ganz gehörig falsch läuft, denn zeitgleich finden viele Menschen keine bezahlbaren Wohnungen mehr in ihrem Stadtviertel, müssen ihr Zuhause unfreiwillig verlassen oder sind gar wohnungslos.

Dass Wohnungen als Ware gehandelt werden und als Kapitalanlagen dienen, ist ganz normal im Kapitalismus. Denn wie der Name schon sagt, werden hier die Entscheidungen nach Kapitalinteressen getroffen. Nun sind wir von einem gesellschaftlichen Wandel – weg vom Kapitalismus – leider weit entfernt. Was also tun? Klein bei geben, wenn unsere Mieten immer weiter steigen und wir mehr und mehr unseres Einkommens für die Miete aufwenden müssen? Einfach wegziehen, wenn wir aus unserem Zuhause verdrängt werden? Aufgeben, wenn unsere Lieblingsorte in unserer Nachbarschaft geschlossen und unser Kiez zerstört wird?

Nein, aufgeben wollen wir nicht. Wir organisieren uns in unserer Nachbarschaft, in Mieter*inneninitiativen und demonstrieren gegen die Mietenkrise. Wir organisieren Protest gegen unsere Kündigungen und Zwangsräumungen. Wir blockieren die Straßen und Plätze wenn die Polizei unsere Lieblingskneipe räumen will. Außerdem wissen wir, wie wir unsere Häuser vom Markt nehmen können.

Das Konzept des Mietshäusersyndikats sieht vor, dass Häuser von Hausgemeinschaften gekauft und gemeinwohlorientiert selbstverwaltet werden können. Dazu braucht es viel Mut, Zeit, und viele kleiner Direktkredite sowie langjährige Zinszahlungen an eine Bank. Dafür bleiben die Mieten Jahrzehnte auf dem gleichen Niveau und das Haus wird dank Veto-Regelung unverkäuflich. Anstatt den Eigentümer*innen und Investor*innen Profite einzubringen, gewinnt das Haus damit seinen eigentlichen Zweck zurück: Ein Haus zum Wohnen, wohlfühlen, sich zurückziehen, mit Nachbar*innen quatschen und sich vernetzen, Kinder groß ziehen, Feste Feiern und ruhig schlafen. Bundesweit existieren bereits mehr als 170 Häuser nach diesem Konzept. Doch damit es mehr werden können, braucht es mehr Regulierungen des Wohnungsmarktes und Gesetze, die Mieter*innen schützen und darin unterstützen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Lasst uns streiten für bezahlbaren Wohnraum und solidarische Nachbarschaften, für die stein34 in Halle, die H48 in Berlin und den vielen Hausgemeinschaften, die bundesweit um ihr Zuhause kämpfen.

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