Stein34 bleibt – Vermieten verbieten!
Wir dokumentieren den Text eines Flugblatts, das in Halle verteilt wurde und an verschiedenen Orten ausliegt.
Gentrifizierung, Entmietung, Verdrängung und Mietsteigerung sind mittlerweile auch in Halle angekommen. Immer mehr WG’s, Wohnprojekte, Kulturräume oder Ateliers im innenstadtnahen Bereich sind davon betroffen: Es gibt einen Eigentümer*innenwechsel, die Sanierungsankündigung folgt oder gleich die Kündigung. Die so sanierten Häuser werden dann teurer weiter vermietet. Unsanierter Altbau, der günstig zu haben ist, wird bald Geschichte sein – Halle wird ungemütlich.
Konkret von Entmietung betroffen ist derzeit bspw. das Haus in der Großen Steinstraße 34. Als das Haus zum Verkauf stand, wollten die Bewohner*innen es zunächst selber kaufen und legten dem alten Eigentümer ein Konzept vor. Der verkaufte aber lieber an den Höherbietenden. Der neue Eigentümer ließ nicht lange auf sich warten – sprach vage von Sanierungen und deutete an, die bestehenden Mietverhältnisse zu kündigen. Dann wollte er es auf die harte Tour wissen: Demontage der Klingelanlage, aufgebrochene Kellertüren, unangekündigte und ungesicherte Bauarbeiten, Sperrung des Innenhofs, zwischenzeitliches Abstellen von Wasser, fristlose Kündigungen, Kommunikationsverweigerung usw. Die Bewohner*innen der Stein34 haben sich entschieden, diese Vorgänge öffentlich zu machen und leisten Widerstand.
Der Konflikt um die Miete trifft einen empfindlichen Punkt: Er zeigt, wie das Privateigentum willkürlich in den Schutzraum von Nicht-Besitzenden eingreifen kann. Der eine besitzt das, was der anderen ein Grundbedürfnis ist. Das Problem gewinnt in Halle zunehmend an Aufmerksamkeit und so kommt auch etwas Dynamik ins Spiel: Am Wochenende vom 13.-15. Mai wurde mehrmals das Schiefe Haus in der Breiten Straße besetzt, der dortige Entmietungsprozess thematisiert und es wurde Solidarität mit der Stein34 verkündet. – Es bleibt noch einiges zu tun: Es müssen Strukturen aufgebaut werden, die Mieter*innen darin unterstützen können, den Konflikt um die Miete öffentlich, politisch und kämpferisch zu führen. Und wir müssen raus aus der Blase und einen Bezug zur gesamt-städtischen Situation herstellen: Gerade erst hat die HWG eine Mieterhöhung von 20 % angekündigt.
Begleitet die Auseinandersetzung der Stein34, unterstützt wo ihr könnt, thematisiert eure eigenen Miet-Konflikte, vernetzt und organisiert euch!