“Häuser dürfen nicht der Profitlogik unterliegen!” (Bericht)

Nachdem sich die Besetzung der Breiten Straße 28 am 13.05.2022 als Scheinbesetzung herausgestellt hatte, wurde das Haus am späten Sonntag Abend erneut besetzt. Dieses mal schien es sich um eine richtige Besetzung zu handeln. Wir dokumentieren einen Bericht, der ursprünglich am 16.05.2022 bei “Du bist Halle” erschienen ist.

“Wohnen ist ein Grundrecht, Häuser dürfen nicht der Profitlogik unterliegen!” – so begründen die Hausbesetzer in der Breitestraße ihre Aktion – Gebäude ist erneut besetzt

Am späten Freitagabend ist zwischenzeitlich das sogenannte “Schiefe Haus” in der Breitestraße in Halle (Saale) besetzt worden. Es gab eine Kundgebung mit dutzenden Teilnehmern. Noch in der Nacht wurde die Besetzung wieder beendet. Doch am späten Sonntagabend gab es erneut eine Besetzung, die noch andauert.

Wie ein Polizeisprecher sagte, sei kurz vor 23 Uhr eine Eilversammlung vor Ort angemeldet worden, die derzeit noch andauert. In der Spitze hätten sich daran rund 50 Personen beteiligt. Zudem gehe man davon aus, dass sich vier Personen in dem Gebäude befinden. Derzeit ist die Polizei mit einigen Kräften vor Ort, die Zusammenkunft wird beobachtet, weitere Maßnahmen gibt es derzeit nicht. Weil aus der Versammlung heraus zu nächtlicher Stunde laute Musik und Redebeiträge abgespielt worden, sei es wegen der dadurch einhergehenden Lärmbelästigung zu Beschwerden der Anwohner gekommen.

Die Akteure haben sich zu Wort gemeldet. “Egal ob ein Haus einer Privatperson oder einem großen Unternehmen gehört, wir fordern langfristig: Wohnraum darf keine Ware sein! Guter Wohnraum ist Grundrecht und keine Kapitalanlage!”, heißt es in einer Erklärung auf einem linken Internetportal. “Mietende aller Häuser vereinigt euch! Kampf dem Kapitalismus in Halle und überall! Für die befreite Gesellschaft!”

Im Fokus steht auch der neue Eigentümer des Gebäudes, der das Haus 2018 erworben hatte. Als Mitglied des Arbeitskreises Innenstadt und Sprecher der Anwohnerinitiative August-Bebel-Platz lege diese Wert auf sein gutes Image. “Als Vermieter zeigt er ein anderes Gesicht”, heißt es von den Besetzern. Er habe über Jahre versucht, “die Bewohner*innen aus dem Haus zu ekeln. Im Frühjahr 2019 ließ er sie monatelang mit einer kaputten Heizung frieren, im Herbst 2020 ließ er illegal für zwei Wochen das Wasser abstellen. Er überzog sie mit Abmahnungen und willkürlichen Kündigungen.”

Im weiteren Verlauf habe er dann „Eigenbedarf“ für seine Töchter angemeldet, Es folgten Gerichtsprozesse. “Der zähe Rechtsstreit zwischen den Bewohner*innen endete damit, dass sie schließlich entschieden zu gehen. Sie hatten keine Kraft mehr, andauernd um das eigene Zuhause zu kämpfen. Von Freiwilligkeit kann da keine Rede sein.”

Eine autonome Mieter*innenberatung ist geplant. „Alle, die Stress mit der Vermietung haben, sollen dort beraten und unterstützt werden“, heißt es.

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