Ein Altbau wird zum Streitobjekt (Bericht)

Wir dokumentieren einen Zeitungsartikel von Denny Kleindienst, der am 22.04.2022 im Halle-Lokalteil der Mitteldeutschen Zeitung erschienen ist. Außerdem kommentieren wir den artikel untenstehend.

Sanierung der “Stein34” wird zum Symbol für Verdrängung

Halle/MZ – Man sei “sehr besorgt” angesichts der Berichte über mutmaßlich unsachgemäße und gegen die Mieter und Mieterinnen gerichtete Maßnahmen in der Großen Steinstraße 34, erklärt der Stadtvorstand der Linkspartei in einer Mitteilung. “Gerade vor dem Hintergrund des Eigentümerwechsels und einiger veröffentlichter Kündigungsschreiben ist es nicht auszuschließen, dass es sich dabei um illegale Entmietungsmaßnahmen handelt.” Diese müssten umgehend eingestellt werden, der Eigentümer müsse für Aufklärung sorgen, fordert der Stadtvorstand.

Auch die MZ hatte darüber berichtet, dass das Haus seit diesem Jahr einen neuen Eigentümer hat. Bewohner klagen, dass Sanierungsarbeiten ohne Ankündigung durchgeführt werden, dass die Klingelanlage bereits abmontiert und Kellerabteile aufgebrochen wurden. Sie haben den Eindruck, aus dem Haus gedrängt zu werden, in dem sie gern weiter wohnen möchten. Den Ladeninhabern im Erdgeschoss ist innerhalb einer Vierteljahresfrist gekündigt worden. “Was mich wundert, ist, dass alles ohne persönlichen Kontakt passiert”, sagt der Inhaber des Uhrengeschäfts, das nach 25 Jahren umziehen muss und Mitte Juni in der Straße Neunhäuser 4 neueröffnet. “Ich habe mich umorientiert. Was soll ich machen?”, sagt der Uhrmachermeister. Ein Gastronom ist mit seinem Laden gleich nach nebenan gewechselt, als das Haus verkauft wurde und sich die Gelegenheit bot. Der Bistrobetreiber weiß derweil nicht, wie es weitergeht. Er sagt: “Ich sehe das als politisches Problem.” Die Steinstraße zeigt für ihn exemplarisch, wie in Städten Gewerbetreibende herausgedrängt werden. Seine eigenen Pläne würden nun einfach kaputt gemacht.

Unstrittig ist für die Bewohner und Ladeninhaber, dass das Haus einer Sanierung bedarf. Dem vorherigen Eigentümer werfen sie vor, er habe das Gebäude verfallen lassen. Der wiederum sagt: “Alle notwendigen Sachen wurden gemacht.” Das Angebot der Hausgemeinschaft, die das Haus selbst kaufen wollte, hat er ausgeschlagen. “Es ging uns darum, es in einem annehmbaren Zustand zu erhalten und so zu sanieren, dass man darin gut wohnen kann, zu günstiger Miete”, sagt eine Bewohnerin. Man habe 1,5 Millionen Euro geboten. Wohl zu wenig.

Die Linke erklärt indes: “Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum und lebendige Viertel, in denen auch Gewerbe bestehen können.” Es sei nicht hinnehmbar, dass das Profitstreben Menschen die Wohnung und einem Viertel die Zukunft nehme. Die Aktionsgruppe “Stein34bleibt” ruft am 30. April um 14 Uhr zur Demo am August-Bebel-Platz auf.

Kommentar

Auch in der heutigen MZ-Halle wird über die Große Steinstraße 34 berichtet. Die darin zu lesende Aussage des ehemaligen Eigentümers, er habe “alle notwendigen Sachen gemacht”, die am Haus angefallen sind, ist schlicht falsch: Seit Jahren sind die Fenster undicht, es ist zugig und kalt. Ebenso lang ist die Klingelanlage teilweise defekt, ein Haushalt musste behelfsmäßig eine Funkklingel installieren, weil der damalige Besitzer nicht auf die Nachfragen der Mieter*innen reagierte. Außerdem hätte sich der Besitzer längst um eine Erneuerung der durchgerosteten Stahlträger im Keller bemühen müssen. Die Kellerräume werden als einsturzgefährdet eingestuft.

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