Mieter klagen über Zustand (Bericht)

Wir dokumentieren einen Zeitungsartikel von Denny Kleindienst, der am 20.04.2022 im Halle-Lokal-Teil der Mitteldeutschen Zeitung erschienen ist.

In der Großen Steinstraße 34 haben offenbar Sanierungsarbeiten begonnen. Die Bewohner haben indes den Eindruck, aus dem Haus gedrängt zu werden.

Halle/MZ – Die Aktionsgruppe mit dem bezeichnenden Namen @Stein34bleibt hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Instagram und Twitter die Entwicklungen im Haus Große Steinstraße 34 in Halle zu dokumentieren. Die Gruppe bezeichnet das Haus als “einen der letzten unsanierten Altbauten in der nördlichen Innenstadt”, warnt vor vielfach teureren Mieten, die mit einer Sanierung einher gehen, sowie dem drohenden Rausschmiss der verbleibenden Mieter.

Die MZ hat mit Bewohnern des Hauses gesprochen. Sie wollen namentlich nicht genannt werden, berichten aber, dass es seit Anfang des Jahres einen neuen Hauseigentümer gibt. Auf ihre Nachfragen hätten sie bisher keine Antwort bekommen. Stattdessen sei ohne eine Ankündigung mit der Sanierung begonnen worden. Die Bauarbeiten würden täglich von 8 bis 16 Uhr dauern. Es sei laut und staubig im Haus. Zuletzt sei das Wasser für eine Weile einfach abgestellt worden, ohne dass vorher bescheid gesagt wurde. “Es ist eine krasse Belastung”, erklärt eine Mieterin. Auch auf Nachfrage der MZ reagierte der Eigentümer nicht.

Nach Auskunft der Bewohner stehen fünf Wohnungen im Haus leer, drei sind bewohnt. Eine WG sei darunter, die anderen Mieter seien Rentner, die teils seit mehr als 30 Jahren dort leben. Die leeren Wohnungen würden bereits entkernt, Bauarbeiten zudem weitgehend ohne Sicherung durchgeführt. Abfall werde in den Hof geworfen, eine Schuttrutsche gebe es nicht. Einem Mieter wäre deshalb fast eine Dachlatte auf den Kopf gefallen, als er den Müll in den Hof brachte. Im Keller ist zu sehen, dass die Türe aller Abteile entfernt wurden. Aufgebrochene Schlösser liegen noch auf dem Boden. Sie habe gesehen, wie Sachen aus ihrem Keller einfach weggeschmissen wurden, sagt eine Mieterin. Auch die Klingelanlage an der Haustür wurde entfernt. “Wir sind alle richtig schockiert”, sagt eine weitere Bewohnerin.

Eine Kündigung hätten sie nicht bekommen, so die Bewohner. Doch sie fühlen sich aus dem Haus gedrängt. Dabei wollen sie nicht ausziehen. “Wir wohnen auch gern hier”, sagt eine Mieterin. Eine kleine Mieterhöhung wäre für sie auch nicht das Problem gewesen”. Sie sagt: “Dass er saniert, ist in unserem Interesse.” Um so mehr ärgert es die Bewohner, dass nun offenbar Fakten geschaffen und sie im Unklaren gelassen werden.

Den Ladeninhabern im Erdgeschoss wurde derweil zum 30. Juni gekündigt. “Das war die kürzeste Frist”, sagt der Betreiber des Bistros, der sein Erspartes in den Laden gesteckt hat. Wie es weitergeht? Er weiß es nicht.

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